Sind Kritikscheu und Enterprise 2.0 vereinbar?

„Ich möchte meine Kollegen nicht kritisieren und schon gar nicht öffentlich!“ So oder ähnlich lautet die Antwort auf die Frage nach dem Grund für eine geringe Anzahl von Kommentaren oder Verbesserung in Wikis und Blogs im Rahmen von Enterprise 2.0 Anwendungen. Neben anderen Gründen wie Zeitmangel oder fehlender persönlicher Relevanz des Beitrages ist Kritikscheu eine zentrale Barriere auf dem Weg zur Kollaboration und somit zu Wissensgenerierung.

In diesem Betrag geht es um das Ausbleiben von konstruktiver und notwendiger Kritik, das Fehlen jeglicher Erscheinungsformen, die dazu dienen den anderen lediglich zu erniedrigen sind selbstverständlich nicht gemeint.

Vor allem die Öffentlichkeit der Kritik stellt sich an dieser Stelle als problematisch heraus. Schließlich ist es im normalen Arbeitsalltag möglich eine Anmerkung so weiter zu geben, dass sonst niemand etwas davon mitbekommt um das Ansehen des Kollegen zu wahren. Oft wird  dennoch hinter dem Rücken des Betroffenen getuschelt und sich über die Fehlschritte lustig gemacht. Das Geheimnis wird also doch öffentlich und der Betroffene hat keine Möglichkeit dazu Stellung zu nehmen, weil es ja „offiziell“ kein Problem gibt. Er wird auch der Möglichkeit beraubt die Kritik als einen wertvollen Hinweis hinzunehmen und sich lernbereit zu zeigen. Bleibt eine angebrachte Kritik gänzlich aus, so kann dies als Ausgrenzungsstrategie gesehen werden, weil eine Lernchance entzogen wird. Salopp ausgedrückt bleiben kurzfristig die Schlauen schlau und die Dummen dumm. Ob das eine Form von Mobbing ist?  Langfristig wird Wissensaustausch behindert. Man versucht eine sehr nette Arbeitsatmosphäre beizubehalten und zahlt dafür den Preis lange anschwellender Konflikte und fehlender Entwicklung der betroffenen Parteien. Betroffen sind natürlich nicht nur diejenigen, denen Kritik vorenthalten wird, sondern auch jene, die nicht kritisieren wollen. Durch das Schweigen gehen Sie das Risiko nicht ein selbst kritisiert zu werden oder sich zumindest aus unterschiedlichen Sichtweisen mit der jeweiligen Thematik zu beschäftigen. Aus Schweigen und Lächeln entsteht keine Wissensgenerierung, denn dazu ist Kommunikation notwendig, die manchmal als unangenehm-kritisch aufgefasst werden kann. In solch einer Kultur der „Rosa-Arbeitswelt“ werden Enterprise 2.0 Anwendungen den erhofften Nutzen nicht erzielen können.

Eine Anonymisierung der Beiträge durch Nicks erscheint in diesem Zusammenhang wenig sinnvoll, da die dahinter stehenden Personen im Laufe der Zeit durch informelle Kommunikation bekannt werden. Ferner wird diese Vorgehensweise die Tabuisierung der persönlichen Betroffenheit bestärken.

Eine Möglichkeit gegen die Kritikscheu vorzugehen ist diese zu thematisieren und nach ihren Gründen und Auswirkungen im jeweiligen Umfeld zu suchen. Unserer Meinung nach wäre ein realer Workshop dazu eher geeignet, da man sich hier dem Thema durch Nichtbeteiligung nur schlecht entziehen kann.

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